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Rundbrief Nr. 6:
Liebe Rundbrief-Leser!
Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Pünktlich zum deutschen Jahresbeginn melde ich mich mal wieder aus Äthiopien, vor allem, um von meiner Weihnachtszeit hier zu berichten!
Neues von der Arbeit:
In meinen letzten Rundbriefen habe ich ja schon ein paar Mal angedeutet, dass das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und unserer Chefin nicht so gut war. Das hatte zur Folge, dass wir im Dezember recht spontan eine neue Chefin im Center bekommen haben. Es hat mich und die meisten Mitarbeiter zwar echt gewundert, aber für die Arbeit hier war es echt das Beste, was passieren konnte! Tenagne, unsere neue Chefin ist auch für alle nicht unbekannt, sie hat vorher schon für den YMCA gearbeitet und wir haben sie auch schon oft getroffen. Es ist echt schön, zu sehen, wie sie neuen Wind in unsere Arbeit hier bringt, Pläne, die vorher ewig aufgeschoben wurden, werden jetzt in Angriff genommen, die Mitarbeiter fühlen sich wohl und alle haben viel Spaß miteinander.
Unser Englisch- und Matheunterricht samstags hat nun auch endlich richtig begonnen, wir konnten für jede Jahrgangsstufe einen Freiwilligen finden und ich lerne jetzt mit den Sechstklässlern!
Ansonsten hat sich an meinem Arbeitsalltag nicht so viel geändert, ich habe weiterhin viel Freude mit den Kindergarten- und DayCarekindern und Patricia und ich können nachmittags auch immer noch viel bei organisatorischen und Büro-Aufgaben helfen.
Meine Adventszeit in Addis:
Vor Weihnachten haben mich viele Leute gefragt, ob es nicht komisch für mich ist, die Adventszeit so weit weg von Deutschland zu erleben. Das äthiopische Weihnachtsfest war ja noch gar nicht und eine Adventszeit gibt es eigentlich auch nicht, außer dass die Orthodoxen vor Weihnachten mal wieder 1 ½ Monate fasten. Deshalb war meine Adventszeit auch hier in Äthiopien sehr deutsch :-) Wir haben viel Zeit mit anderen deutschen verbracht, uns zum Plätzchenbacken getroffen, waren bei Weihnachtsfeiern und Adventsgottesdiensten in der Kirche. Dank eines selbstgebastelten Adventskranzes, verschiedener Deko und Leckereien, die wir geschickt bekommen haben und Adventskalendern aus Deutschland sahen unsere Zimmer sogar recht weihnachtlich aus. Kurz vor Weihnachten haben wir sogar noch einen künstlichen Tannenbaum geschmückt und ein Lebkuchenhaus gebastelt! Ich habe zwar auch vorher schon viel Post bekommen, aber in der Adventszeit wurde ich von Paketen, Karten und Briefen wirklich überschüttet und habe mich jedes Mal riesig darüber gefreut. Vielen Dank nochmal an alle, die so lieb an mich gedacht haben!
Natürlich war es aber trotz allem sehr merkwürdig, sich bei diesem Wetter und unter den Äthiopiern, die Weihnachten zu einem anderen Zeitpunkt und auch sonst ganz anders als wir feiern, sich so richtig aufs Fest einzustimmen. Ich habe es aber auf jeden Fall sehr genossen, nicht schon im Oktober oder November überall kitschige Deko und Weihnachtsmänner zu sehen und dass die Adventszeit nicht wie sonst mehr Stress als alles andere war. So wird einem mal wieder bewusst, dass es an Weihnachten nicht nur um Geschenke und gutes Essen geht (das hatten wir aber trotzdem, dazu gleich mehr!).
Das Weihnachtsfest:
Nachdem ich jetzt schon von der Adventszeit berichtet habe, will ich euch mein Weihnachtsfest natürlich auch nicht vorenthalten! Dazu muss ich sagen, dass ich Weihnachten diesmal nicht 3 Tage lang so richtig gefeiert habe, weil es hier natürlich kein Feiertag war, da das „richtige“ Weihnachtsfest hier ja noch kommt! An Heiligabend mussten wir vormittags noch ganz normal arbeiten und sind danach schon mittags zur Kirche gefahren. Abends waren wir ja von der Familie Gossens eingeladen, und deswegen haben wir nachmittags geholfen, Nachtische und das Essen vorzubereiten. Insgesamt waren wir am Abend fast 20 Leute, deshalb musste natürlich auch viel zubereitet werden!
Der Gottesdienst war sehr schön. Wir haben ein modernes und sehr lustiges Krippenspiel aufgeführt, der Chor hat Lieder vorgetragen, in der Predigt ging es natürlich um Jesu Geburtstag :-) und viele Menschen sind auch aus anderen Teilen Äthiopiens gekommen, um mit anderen Deutschen das Weihnachtsfest zu feiern.
Abends waren wir dann eine bunte Mischung aus Freiwilligen, äthiopischen Gästen und der Familie Gossens. Die Kinder sind alle aus Deutschland und England, wo sie studieren, gekommen und so gab es natürlich von allen Seiten eine Menge zu erzählen. Es gab richtig deutsches Festessen (Rouladen, Spätzle, Klöße und Gemüse) und sehr gute Nachtische (verschiedene Puddings und Wackelpuddings). Bei dem ganzen Trubel blieb auch kaum Zeit, die Familie und die Freunde zu vermissen und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Später am Abend konnte ich mit ihnen dann zum Teil sogar noch telefonieren.
Wir haben dann auch im Haus der Gossens übernachtet und den nächsten Vormittag verbracht. Mittags gab es dann noch einen Gottesdienst zum 1. Weihnachtstag und der war ganz besonders, denn gleichzeitig gab es dort eine Trauung! Das Brautpaar war allerdings nicht ganz frisch verheiratet, sondern schon seit 31 Jahren, aber bis dahin nur standesamtlich. Anschließend gab es einen kleinen Empfang und danach haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Eigentlich hatten wir vor, abends noch ein wenig mit Mihiret zu feiern, aber weil Patricia krank war, ist das ausgefallen.
Am 26., dem Montag, mussten wir dann wieder ganz normal arbeiten.
Der Jahreswechsel:
Ich habe ja schon gesagt, dass es eigentlich gar kein Neujahr im Januar gab. Trotzdem haben wir uns an Silvester mit ein paar Freiwilligen getroffen, Pizza gemacht, zusammengesessen und einige sind dann auch noch ein bisschen weggegangen. Für die Äthiopier war auch das ein Wochenende wie jedes andere, aber dafür steht am Samstag hier wieder das nächste große Fest an. Jetzt ist es schon Januar und in 2 Wochen ist auch schon die Hälfte meiner Zeit hier in Äthiopien rum, die Zeit rast doch ganz schön! Am Anfang haben sich 10 Monate ja schon lang angehört, aber jetzt kommt es mir gar nicht mehr so lang vor.
Was als nächstes ansteht:
Am Samstag ist hier in Äthiopien auch endlich Weihnachten. Das Fest wird hier zwar nur an einem Tag, da aber glaube ich umso größer gefeiert. Weil alle jetzt so lange gefastet haben, werden dafür Hühner, Ziegen oder, wer es sich leisten kann, Kühe geschlachtet und eigentlich den ganzen Tag lang nur gegessen. Das wird bestimmt anstrengend :-) Wir sind zu diesem Anlass, wie bei jedem Fest eigentlich, mal wieder zu Mihirets Verwandtschaft eingeladen. Ich bin schon sehr gespannt, davon aber in meinem nächsten Rundbrief mehr! Am Freitag machen wir mit den Kindergartenkindern und ihren Müttern eine Weihnachtsfeier mit Keksen, Krippenspiel und Kaffeezeremonie. Die Kinder bekommen auch Geschenke, neue Anziehsachen und Taschen. Die Rucksäcke hat meine Familie geschickt und es sind noch original Kindergartenrucksäcke von mir und meinen Schwestern dabei :-) Die Kinder freuen sich immer so sehr, wenn sie was geschenkt bekommen, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Letztens konnte ich Kuscheltiere (auch aus Deutschland geschickt) verschenken, und es ist so schön, wie die Kinder sich darüber freuen und den ganzen Tag nur noch mit einem Lächeln durch die Gegend laufen :-) Eine Woche später geht es für Patricia, Vivian (eine andere Freiwillige) und mich dann auf die erste große Reise! Wir werden mit einem Guide für 8 Tage eine Rundreise in den Süden machen, teilweise werden wir campen und teilweise in Hotels übernachten. Auf dem Programm stehen unter Anderem Nationalparks, verschiedene Seen und Besuche bei den ganz traditionell lebenden Stämmen. Das wird bestimmt spannend und sehr interessant!
Anfang Februar steht ja dann auch schon der erste Besuch aus Deutschland, von meinem Vater, an, auch darauf freue ich mich schon.
Ihr seht also mal wieder, es geht mir hier immer noch sehr gut und ich fühle mich sehr wohl (auch wenn der ständige Wasserausfall wohl immer eine lästige Herausforderung bleibt – letzten Monat hatten wir 2 Wochen lang gar kein fließendes Wasser!)! Ich hoffe, euch geht es genauso und ich freue mich weiterhin, von euch zu hören!
Falls ihr euch wundert, warum ich so lange keinen Blogeintrag gemacht habe: Seit einiger Zeit komme ich leider nicht mehr auf die Seite und auf die Blogspotseiten allgemein drauf, ich hoffe aber, das ändert sich bald wieder, bis dahin könnt ihr euch unter http://gebetskreisontour.blogspot.com schonmal die Einträge von meinen Freunden angucken!
Habt ein gesegnetes und erlebnisreiches neues Jahr 2012, in 5 Monaten sehen wir uns wieder :-)
Bis bald, eure Noelle
Und hier wie immer noch meine aktuellen Gebetsanliegen:
Ihr könnt danken dafür,…
- dass ich mich hier so gut eingelebt habe und die Arbeit Spaß macht
- dass ich so viele liebe Menschen (deutsch und äthiopisch) treffe und viel erleben kann
- dass das Arbeitsklima seit dem Führungswechsel viel besser geworden ist
- dass ich kein Heimweh habe und mich trotzdem auf den Sommer freuen kann
Bitten könnt ihr für …
- Behütung auf der großen Reise, die ansteht
- Wegweisung für meine berufliche Zukunft
- eine gute und sinnvolle Weihnachtsfeier mit dem Kindergarten und ein schönes äthiopisches Weihnachtsfest
- Glaubensstärke und dass ich mich bei meiner Arbeit nach Gottes Willen richte
- den Englischunterricht in den Ausbildungsprogrammen, der teilweise immer noch sehr schleppend läuft
Vielen Dank für eure Unterstützung im Gebet!
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